HiSolutions Sonder-BCM-News Dezember 2021 - Kampfansage an Omikron

Während alle mit bangen Blick gen Südafrika, England und Dänemark schauen, welche Konsequenzen die neue Mutante für die hiesige Gesellschaft hat, wird zu oft noch übersehen, dass mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit mit Omikron auch auf das Business Continuity Management enorme Veränderungen zukommen. Wie die kürzlich veröffentlichte Stellungnahme des Expertenrats der Bundesregierung bestätigt, beträgt die erwartete Verdopplungszeit der Omikron-Inzidenz zwei bis vier Tage. Laut den Experten drohten Ausfälle nicht nur aufgrund von Erkrankung und Quarantäne, sondern auch durch den steigenden Bedarf an Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen.

Seit Beginn der Pandemie bestand die Hauptaufgabe in den meisten Institutionen darin, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die die Infektionsrate niedrig halten und Arbeitsabläufe dementsprechend so anzupassen, dass aus Homeoffice – oder in Produktionsstätten mit reduzierter Anwesenheit – gearbeitet werden kann. Vereinfacht gesagt: Es stand meist eher zu viel Personal für zu wenige Arbeitsplätze zur Verfügung (durch fehlende Homeoffice-Möglichkeiten, reduzierte Schichtgrößen, etc.). Wenn man als Institution also nicht gerade Opfer eines „Superspreader“-Events war (siehe Tönnies), so litt man in der Pandemie nicht unter zu wenig Arbeitskräften.

Omikron, mit seiner deutlich erhöhten Ansteckungswahrscheinlichkeit, ändert diesen Umstand massiv. In Londoner Krankenhäuser sieht man bereits die ersten Effekte: Die Anzahl gleichzeitig Erkrankter steigt deutlich an. Damit fällt es Institutionen zunehmend schwerer, die Arbeitsabläufe mit einer ausreichenden Anzahl Mitarbeitenden stabil zu halten. 

Nun haben wir in Deutschland einfach nur Glück, etwas später als beispielsweise Großbritannien betroffen zu sein. Aber es scheint nicht eine Frage des „Ob“ sondern des „Wann“ zu sein. Der Expertenrat der Bundesregierung sieht nicht nur eine Gefahr für Kritische Infrastrukturen. Er rät zu einer unverzüglichen und gründlichen Vorbereitung. 
Es ist höchste Zeit, die Situation ernst zu nehmen, sich die relevanten Notfallszenarien anzusehen, die Strategien und Maßnahmen zu prüfen und ggf. Anpassungen vorzunehmen, um nicht im Januar kalt erwischt zu werden.

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass ein Ausfall nicht nur die eigenen Mitarbeitenden treffen kann, sondern ebenso das Personal von Dienstleistern, Zulieferern, Logistikern etc. Insbesondere Fertigungsbetriebe sehen sich damit aktuell multiplen Herausforderungen gegenüber, die es kombiniert zu bewältigen gilt: Schon jetzt führen Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen und Chips an verschiedenen Stellen zu Betriebseinschränkungen. Nun droht noch der Ausfall von relevanten Anteilen des Personals. Dies gilt es im Vorfeld zu durchdenken und zu orchestrieren – wo können etwa Mitarbeitende von ohnehin durch Materialmangel eingeschränkten Prozessen im Falle eines hohen Krankenstands in Bereichen eingesetzt werden, die von solchem Mangel nicht betroffen sind, um wenigstens diesen Teil der Produktion aufrecht zu erhalten.

Die Summe der Herausforderungen ist sicher maximal individuell. Und so sicher wie es ist, dass es nicht DIE Lösung für alle gibt, so sicher ist auch, dass JETZT der Zeitpunkt ist, dies zu durchdenken, möglicherweise gerade noch rechtzeitig bevor die Welle in die eigene Institution einschlägt.

    Folgende Leitfragen sollten hierzu mindestens berücksichtigt und behandelt werden:

    1. Welche Prozesse müssen zwingend fortgeführt werden, da diese kritisch für den Unternehmenserfolg bzw. den Geschäftszweck sind?
    2. Wie wird die maximal tolerierbare Ausfallzeit dieser kritischen Prozesse eingeschätzt? 
    3. Welche Rollen und Funktionen sind zwingend notwendig für die Aufrechterhaltung der kritischen Prozesse?
    4. Wie viele Mitarbeitende (interne und externe) werden mindestens benötigt, um diese kritischen Prozesse aufrechtzuerhalten?
    5. Sind Kopfmonopole in den zeitkritischen Prozessen vorhanden?
    6. Wenn ja: Sind unter den Kopfmonopolen Mitarbeitende, die zur Corona-Risikogruppe gehören und besonders geschützt werden müssen?
    7. Welches Personal kann von eingestellten/unkritischen Prozessen zu den kritischen Prozessen umgeschichtet werden?
    8. Wie kann der Wissenstransfer sichergestellt werden?
    9. Bestehen Abhängigkeiten zu externem Personal bzw. Personal/Wissensträgern von Dienstleistern?
    10. Gibt es entsprechende Notfallabsprachen mit den Dienstleistern bzw. gibt es Handlungsalternativen, falls die Dienstleister ausfallen?

    Sie haben generelle Fragen zu Business Continuity und Resilienz? Melden Sie sich gerne!

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    Stefan Nees

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    Stefan Nees

    Director Security Consulting

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