HiS-BCM-News 05/2016 - Business Continuity Management aktuell

HiS-BCM-News September 2016

Die Top Themen: Neues Zivilschutzkonzept der Bundesregierung, Bargeldversorgung im Krisenfall, Lebensmittelversorgung: Internationales Vorgehen als Vorbild, Lob für die Krisenkommunikation der Münchner Polizei, Sechs Reifegrade eines BCM-Systems, Einblick in das TUI-Krisenzentrum, Warn-Apps, eine Übersicht, Weltrisikobericht 2016, Menschlich verursachte Katastrophen steigen.


Neuigkeiten

Neues Zivilschutzkonzept der Bundesregierung berücksichtigt Ausfälle kritischer Infrastrukturen
Am 24. August 2016 wurde die neue „Konzeption Zivile Verteidigung“ (KZV) auf einer Pressekonferenz von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, in Berlin vorgestellt. Nachdem die letzte Aktualisierung 1995 bereits über 20 Jahre zurück lag, reagiert die Bundesregierung mit der neuen Auflage nun u. a. auf die zunehmende Bedrohung überlebenswichtiger Infrastrukturen wie die Wasser- oder Energieversorgung durch Cyberattacken. Ein weiteres wichtiges Thema stellt der Selbstschutz der staatlichen Organe, etwa durch Ausweichgebäude für die Dienstsitze sowie gesicherte Stromversorgung und Informationstechnik, dar.
> Zum Artikel des BBK: http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/BBK/DE/2016/Neue_Konzeption_Zivile_Verteid_vorgestellt.html
> Zur Publikation: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2016/konzeption-zivile-verteidigung.pdf 

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Bargeldversorgung im Krisenfall: Die Bundesbank ist nicht zuständig
Der Krisenplan der Bundesregierung stellt dar, dass die Bundesbank zwar über „umfangreiche Risikovorsorgemaßnahmen, Krisenmanagementpläne und Business-Continuity-Planungen“ für ihr Haus verfügt, diese seien jedoch eher für die Sofortmaßnahmen in einem kürzeren Krisenzeitraum von bis zu 5 Tagen ausgelegt. „Eine unmittelbare flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld durch die Bundesbank selbst“ könne im Krisenfall jedoch nicht geleistet werden. Im Ernstfall wird auf die Vorsorgemaßnahmen der Kreditinstitute und Wertdienstleister selbst gesetzt. 
https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/08/28/bundesbank-kann-deutsche-in-krise-nicht-mit-bargeld-versorgen/ 

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Lebensmittelversorgung: Internationales Vorgehen in Katastrophensituationen als Vorbild
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) stellte im Juli erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts zur Lebensmittelversorgung in OECD-Ländern vor. Anhand von Schadensfällen in Großbritannien, Neuseeland, USA und Kanada wurde untersucht, inwieweit Staat, Bevölkerung und Privatwirtschaft bei größeren Katastrophenereignissen in die Lebensmittelversorgung involviert waren und welche Maßnahmen sich bewährt haben. Ziel weiterer Analysen wird es sein, den deutschen Bevölkerungsschutz im Hinblick eines Best-Practice-Ansatzes weiterzuentwickeln und geeignete Vorkehrungen für die Lebensmittelversorgung der deutschen Bevölkerung im Krisenfall zu entwickeln.
http://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/BBK/DE/2016/Vergleich_Lebensmittelversorgung.html 

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Volkswagen: Konflikt mit Zulieferern beigelegt
Der Streit mit zwei Zulieferern aus der Prevent-Gruppe hat die Produktion bei Volkswagen über Tage gestört. Laut Erkenntnissen der FAZ wurden etwa 22.000 Fahrzeuge nicht planmäßig produziert. Ein Schaden von rund 100 Millionen Euro sei entstanden. Vom Stillstand in sechs Werken waren etwa 28.000 Beschäftigte betroffen. In den Streit hatte sich unterdessen auch die Politik eingemischt. Prevent ist es nun als erstem Zulieferer gelungen, in einem Gerichtsprozess gegenüber einem Automobilhersteller zu bestehen. Automobilhersteller werden sich darauf einstellen müssen, dass Zulieferergruppen auch zukünftig einen wesentlich höheren Druck ausüben können, als bisher mittelständische Familienbetriebe, für die der entsprechende Großkunde überlebenswichtig war. In beiden Fällen bedeutet dies ein sehr hohes Maß an Abhängigkeiten, welche offenbar bisher nicht in der Geschäftsfortführung betrachtet werden.
> Hintergründe: http://www.welt.de/wirtschaft/article157834468/Wie-die-Prevent-Zwerge-den-Riesen-VW-besiegen.html 
> Auswirkungen: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/streit-mit-zulieferern-vw-konnte-22-000-autos-nicht-bauen-14409300.html 

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Amoklauf in München: Viel Lob für die Krisenkommunikation der Polizei 
Die Krisenkommunikation der Münchner Polizei im Zusammenhang mit dem Amoklauf im Olympia-Einkaufszentrum im Juli 2016 ist im Nachgang weltweit gelobt worden. Das Social-Media-Team begann bereits kurz nach den ersten Meldungen über die Schießerei damit, die Bevölkerung sachlich und warnend über die Situation zu informieren. Insgesamt 15 Stunden lang wurden aktuelle Meldungen auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Türkisch veröffentlicht. Weltweit gab es Lob insbesondere für den Polizeipressesprecher Marcus da Gloria Martins, der durch seine ruhiges, kompetentes und souveränes Auftreten beruhigend und authentisch wirkte.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/muenchen-lob-fuer-polizei-und-sprecher-marcus-da-gloria-martins-a-1104405.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=http://m.facebook.com/ 
Das Bundesministerium des Innern stellt einen ausführlichen Leitfaden für eine angemessene Krisenkommunikation von Polizei, Feuerwehren und Behörden zur Verfügung.
> Zum Leitfaden Krisenkommunikation http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2008/Krisenkommunikation.pdf 



Wissenswertes

Die sechs Reifegrade eines BCM-Systems
Die Autorin eines Artikels auf Continuity Central beschreibt sechs Reifegrade, die das Business ContinuityManagement System einer Organisation erreichen kann. Diese „Level“ berücksichtigen auch die Anforderungen von Standards und können als Orientierung für die Einschätzung des eigenen BCM-Systems herangezogen werden.
http://www.continuitycentral.com/index.php/news/business-continuity-news/1293-six-levels-of-business-continuity-maturity 

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Einblick in das Krisenzentrum von TUI Deutschland
Im Krisenfall ist eine schnelle Reaktion der Reiseveranstalter gefragt. Wirbelstürme, Erdbeben, Streik oder Terrorismus: Das TUI Krisenmanagement überwacht rund um die Uhr alle Reiseziele weltweit, um Urlauber möglichst frühzeitig zu informieren. Das Krisenmanagement umfasst ein 220 qm großes Lagezentrum sowie umfangreiche Warn- und Informationssysteme. Neben Wetterdaten, Meldungen von Nachrichtenagenturen, Informationen des Auswärtigen Amtes, von Botschaften und der TUI Reiseleiter fließen dort auch Daten der Konkurrenz ein.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/dienstleister/tuerkei-terror-und-tsunami-krisenzentrum-hat-touristen-im-blick/14006060.html  
Bereits 2015 gewährte TUI einen Einblick in die Krisenstabsorganisation und deren Infrastrukturen:
http://www.rtf1.de/news.php?id=11434 

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Warn-Apps, eine Übersicht 
Behörden der öffentlichen Verwaltung setzen heute oft auf Warn-Apps, um die Bevölkerung vor Gefahren wie einem Anschlag oder einer Naturkatastrophe zu warnen. Die „Notfall-Informations- und Nachrichten App“ (NINA) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) oder „WarnWetter“ des Deutschen Wetterdienstes etwa warnen vor möglichen Unwettergefahren. Aktuell kommt es jedoch häufig noch zu Problemen. Während des Amoklaufs in München beispielsweise, stieß das vom Fraunhofer Institut entwickelte Programm KatWarn bei ca. 250.000 zeitgleichen Nutzern an seine Grenze. 
http://www.rettungsdienst.de/nachrichten/presse-blog/welche-warn-app-ist-die-richtige-49983 

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Frankfurter Polizei: Für den Ernstfall bestens gerüstet
Nach Einschätzung von Michael Hallstein, Leiter des Abteilungsstabs und Teil des Führungsstabs zur Koordination im Fall eines Terroranschlags, ist die Frankfurter Polizei für den Ernstfall sehr gut vorbereitet. Aus vergangenen Ereignissen wie dem Amoklauf von Erfurt 2002 und den jüngsten Ereignissen, etwa in Paris, habe man Lehren gezogen und das eigene Vorgehen entsprechend angepasst. Der Artikel beschreibt u.a. verschiedene Notfallkonzepte, den Einsatz von Interventionsteams, den besonderen Stellenwert der Informationspolitik, die technische Ausrüstung der Beamten und den Informationsaustausch im Krisenfall. Regelmäßiges Üben sorgt für die notwendige Sicherheit bei den Beamten, die im Ernstfall helfen sollen.
http://www.fr-online.de/frankfurt/polizei-frankfurt-bestens-geruestet,1472798,34658382.html 

Standards, Berichte, Richtlinien und Leitfäden

Weltrisikobericht 2016 veröffentlicht
Der Weltrisikobericht beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern das Risiko eines Landes mit seiner gesellschaftlichen Situation zusammenhängt. Der Einfluss der Regierung, des Gesundheitssystem, der Umweltsituation und des Bildungsniveaus wird etwa der Gefährdung durch Naturkatastrophen gegenübergestellt. Der Bericht zeigt für 171 Länder das Risiko, von einer Katastrophe betroffen zu sein (WeltRisikoIndex).
www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-08/weltrisikobericht-naturkatastrophen-deutschland-italien-griechenland-vanatu
PDF: http://weltrisikobericht.de/wp-content/uploads/2016/08/WeltRisikoBericht2016.pdf 

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Menschlich verursachte Katastrophen steigen
Wie im Schadenspiegel der MunichRe dargestellt, sorgt nicht nur die Natur für außergewöhnliche Katastrophenlagen. Vielfach sei die Ursache auch im Fehlverhalten von Menschen begründet. Am Unglückin der chinesischen Stadt Tianjin im August 2015, bei dem zwei gewaltige Explosionen im Hafen verheerende Schäden anrichteten und viele Menschen in den Tod riss, sowie vielen weiteren Katastrophen wird dieser Umstand eingehend beleuchtet. Der Artikel wurde zwar aus Sicht der Schadenregulierung erstellt, zeigt aber eindrucksvoll, dass Fehlverhalten von Führungskräften. 
Quelle: https://www.munichre.com/de/reinsurance/magazine/publications/index.html 
Pdf: https://www.munichre.com/site/touch-publications/get/documents_E1635734730/mr/assetpool.shared/Documents/5_Touch/_Publications/302-08897_de.pdf 

Aktuelle BCM-Schadensereignisse

Delta Air Lines: Großstörung zahlreicher IT-Systeme
Am 8. August 2016 kam es zu einer Großstörung des Rechenzentrums der US-Fluggesellschaft Delta Air Lines. Ursache war der Ausfall der Stromversorgung, gefolgt von einem Versagen der Failover-Mechanismen. Insgesamt sorgte der Ausfall für zahlreiche Verspätungen, Chaos an Check-in-Schaltern und für Flugausfälle – ca. 2.100 an drei Tagen. Analysten erwarten finanzielle Verluste von ca. 120 Millionen Dollar aufgrund von Um- und Hotelbuchungen sowie Entschädigungszahlungen.
http://www.wsj.com/articles/delta-air-lines-ceo-says-tech-system-nears-recovery-1470861806 

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Erdbeben in Italien: Müssen bisherige Risikoeinschätzungen aktualisiert werden? 
Ein erneutes schweres Erdbeben im August in Mittelitalien hat bislang an die 300 Todesopfer gefordert, 400 wurden verletzt. Tausende haben alles verloren und sind nun obdachlos. Nach Einschätzung des Bürgermeisters ist der Ort Amatrice nicht mehr zu retten. Infolge eines Nachbebens sind die meisten Straßen nach Amatrice unpassierbar. Die einzig verbliebene Brücke ist einsturzgefährdet. Mit der Verfügbarkeit der Infrastruktur geht, 160 km nördlich von Rom, auch die Versorgung der Bevölkerung einher. Nach Einschätzung des Präsidenten des nationalen Geologen-Rates Fabio Tortorici sei statistisch gesehen etwa alle 15 Jahre mit einem starken Erdbeben (> 6) in Italien zu rechnen. Die Realität hat diese Statistik mit den verehrenden Beben um L’Aquila 2009 und Amatrice 2016 nahezu halbiert. 
http://www.sueddeutsche.de/panorama/italien-amatrice-wo-sich-schreckliche-szenen-abspielen-1.3135205 

Veranstaltungen

20.09.2016: Expertenworkshop- BCM & Krisenmanagement im Vergleich 
Der ASW Bundesverband veranstaltet am 20. September 2016 einen Intensivworkshop in Limburg. Krisenmanager bekommen die Möglichkeit zum Informations- und Erfahrungsaustausch zu den Themen Krisenmanagement und BCM in Unternehmen. Themenschwerpunkt der Vorträge werden Führen in der Krise, Fortbildungsmaßnahmen und Übungen sowie der Vergleich von Krisenmanagement und BCM sein. Zwei Erfahrungsberichte leiten die anschließende Diskussionsrunde ein. 
http://asw-bundesverband.de/termine/ 

 
Die nächsten HiS-BCM-News erhalten Sie Mitte November 2016.

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