Viele Unternehmen machen zu Beginn ihrer Cloud-Transformation ähnliche Fehler. Unsere Erfahrung aus der Praxis zeigt: Die daraus entstehenden Probleme ließen sich oft vermeiden – wenn zentrale Fragen frühzeitig geklärt würden.
In diesem Blogbeitrag zeigen wir Ihnen deshalb sechs typische Stolpersteine aus Cloud-Transformationsprojekten und wie Sie diese am besten umgehen. So schaffen Sie eine starke Grundlage für Ihre Cloud-Transformation.
Was bedeutet Cloud-Transformation?
Kurz gesagt, beschreibt Cloud-Transformation den Wechsel von eigener IT-Infrastruktur hin zu Cloud-Services – also weg vom Betrieb auf eigenen Servern, hin zu Leistungen von Cloud-Anbietern. Das hat unter anderem die Vorteile, dass Ressourcen flexibel skalierbar sind, nutzungsbasiert abgerechnet werden und ortsunabhängig verfügbar sind.
Eine Cloud-Transformation bedeutet allerdings mehr als „nur“ ein Serverwechsel und stellt Sie vor viele Herausforderungen, die über die reine Migration hinausgehen. Wo liegen die größten Chancen und welche Stolpersteine sollten Sie kennen?
Stolperstein 1: Ohne klare Ziele wird die Cloud-Transformation zum Blindflug
Aus unserer Beratungspraxis wissen wir, dass eine zentrale Frage am Anfang oft nicht ausreichend geklärt wird: Welche Ziele verfolgen wir mit der Cloud-Transformation – und teilen alle das gleiche Verständnis davon?
Fehlt diese Klarheit, ziehen verschiedene Stakeholder in unterschiedliche Richtungen. Prioritäten bleiben unklar, Entscheidungen werden inkonsistent getroffen und Fortschritt lässt sich nur schwer messen.
Also: Tauschen Sie sich über Ziele aus. Was wollen Sie mit der Cloud-Transformation eigentlich konkret erreichen?
Sind Sie sich unschlüssig, ziehen Sie als Startpunkt die NIST-Definition von Cloud Computing heran und entwickeln Sie Ihre Ziele iterativ.
So entwickeln Sie Ziele für Ihre Cloud-Transformation
NIST, also das National Institute of Standards and Technology, beschreibt fünf zentrale Eigenschaften von Cloud Computing:
- On-Demand Self-Service: IT-Ressourcen können bei Bedarf selbstständig und ohne manuellen Aufwand bereitgestellt werden
- Broad Network Access: Der Zugriff erfolgt flexibel über standardisierte Netzwerke – unabhängig vom Endgerät oder Standort
- Resource Pooling: Ressourcen werden zentral vom Anbieter gebündelt und mehreren Kunden gleichzeitig zur Verfügung gestellt
- Rapid Elasticity: Kapazitäten lassen sich schnell anpassen – sowohl nach oben als auch nach unten
- Measured Service: Die Nutzung wird transparent gemessen und nur das tatsächlich Verbrauchte abgerechnet
Fragen Sie sich: Welche dieser Eigenschaften sind für uns relevant? Wie könnte das bei uns konkret aussehen? Welche Vorteile bringen sie?
Beispiel Rapid Elasticity: Bei stark schwankenden Lasten – etwa im saisonalen Geschäft – kann die Cloud einen klaren Vorteil bieten, da keine eigene Infrastruktur für Lastspitzen vorgehalten werden muss.
Daraus könnten Sie also folgendes Ziel der Cloud-Transformation ableiten: Systeme sollen sich automatisch an die aktuelle Last anpassen. Das heißt: Bei hoher Nachfrage stehen sofort mehr Ressourcen zur Verfügung, bei geringer Last werden sie wieder reduziert.
Stolperstein 2: Ohne Cloud-Strategie verzettelt sich das Team schnell
Sind die Ziele gefunden, braucht es klare Leitplanken – von der strategischen Ausrichtung bis zur Umsetzung. Also eine Cloud-Strategie.
Diese definiert zentrale Grundsätze – etwa zu Sicherheit, Souveränität, Compliance, Business Continuity und Datenstrategien – und übersetzt sie in eine Zielarchitektur.
Eine Zielarchitektur kann zum Beispiel auf einer übergeordneten Ebene festlegen, dass geschäftskritische Anwendungen in einer bestimmten Cloud-Region betrieben werden, Identitäten zentral über einen Identity Provider verwaltet werden und neue Anwendungen grundsätzlich containerbasiert aufgebaut sind. Außerdem beinhaltet sie viele weitere Details, die im weiteren Verlauf der Cloud-Transformation festgeschrieben werden.
So schaffen Sie Klarheit für typische Entscheidungen im Projektalltag und sie müssen nicht jedes Detail aufs Neue diskutieren.
Stolperstein 3: Ohne die richtigen Skills wird die Cloud zur Dauerbaustelle
Kaum ein Unternehmen startet seine Cloud-Transformation mit einem vollständig cloud-erfahrenen IT-Team. Es ist nicht schlimm, wenn Sie das auch so machen.
Kritisch wird es erst, wenn der Aufbau dieser Fähigkeiten nicht aktiv eingeplant wird. In der Praxis bewährt sich eine Kombination aus gezieltem Skillaufbau und Unterstützung durch erfahrene Partner. Gleichzeitig muss frühzeitig geklärt werden, wie der spätere Betrieb aussieht:
- Welche Leistungen übernimmt das interne Team?
- Welche Rolle spielen externe Dienstleister?
- Welche Services werden direkt vom Cloud Provider bezogen?
Das Shared Responsibility Model hilft, diese Fragen strukturiert zu beantworten und fundierte Entscheidungen zu treffen: Der Cloud-Anbieter ist beispielsweise für die physische Infrastruktur verantwortlich, während Sie als Kunde für Themen wie Zugriffskontrolle, Konfiguration und Datensicherheit zuständig bleiben.
Stolperstein 4: Ohne Automatisierung verschenken Sie das Potenzial der Cloud
Automatisierung ist einer der größten Mehrwerte, die eine Cloud-Transformation mit sich bringen kann. Man muss sie allerdings wollen und von Anfang an umsetzen.
Das Schlagwort ist hier Infrastructure as Code (IaC). Dabei wird Infrastruktur nicht manuell eingerichtet, sondern als Code beschrieben und automatisiert bereitgestellt – etwa, wenn Server, Netzwerke und Berechtigungen per Skript statt per Klick im Portal erstellt werden. Das ermöglicht eine schnellere Implementierung, geringere Fehlerquoten, bessere Nachvollziehbarkeit und stabilere Betriebsprozesse.
Das erfordert Disziplin: Prozesse müssen angepasst, Mitarbeitende geschult und manuelle Eingriffe konsequent vermieden werden, damit die Automatisierung nicht gleich wieder unterlaufen wird.
Unsere Erfahrung zeigt: Wer Automatisierung nicht von Anfang an mitdenkt, muss diesen Schritt später nur mit großem Aufwand nachholen – oft nur mit mäßigem Erfolg.
Stolperstein 5: Ohne Governance wird die Cloud zum Risiko
Die Cloud-Transformation verändert nicht nur die IT-Prozesse, sondern auch Governance-Frameworks.
Besonders betroffen sind etablierte Frameworks wie Information Security Management System (ISMS) und Business Continuity Management (BCM). Diese müssen an neue Betriebsmodelle und Verantwortlichkeiten angepasst werden.
Spätestens beim nächsten Audit wird sichtbar, ob diese Anpassungen erfolgt sind.
Wer Governance früh integriert, reduziert nicht nur Risiken, sondern kann zusätzliche Potenziale erschließen – etwa durch automatisierte Compliance-Prüfungen (Compliance-as-Code).
Stolperstein 6: Ohne Migrationsstrategie verläuft die Transformation unkoordiniert
Nachdem Ziele und Strategie klar sind, braucht es einen konkreten Plan für den Weg in die Cloud: die Migrationsstrategie.
Ohne sie wird die Transformation schnell unkoordiniert: Systeme werden isoliert migriert, Abhängigkeiten übersehen und Prioritäten unsauber gesetzt.
Planen Sie die Migration deshalb gezielt und priorisieren Sie klar. Ausgangspunkt sind die Geschäftsanforderungen – ergänzt durch technische und organisatorische Rahmenbedingungen.
Gehen Sie schrittweise vor und starten Sie mit klar abgegrenzten Einheiten, die bereits für sich einen Nutzen liefern. So sammeln Sie früh Erfahrungen und reduzieren Risiken. Dieses Vorgehen orientiert sich häufig an sogenannten Minimal Viable Products (MVPs) – also kleinen, lauffähigen Schritten mit konkretem Mehrwert.
Ein weiterer Punkt wird oft unterschätzt: die Datenmigration im laufenden Betrieb. Sie ist aufwendig und kann den Zeitplan erheblich beeinflussen. Räumen Sie deshalb frühzeitig auf – etwa durch Archivierungs- und Löschkonzepte, um unnötige Daten gar nicht erst mitzunehmen.
Erfolgreiche Cloud-Transformation: mehr als ein Infrastrukturprojekt
Unsere Erfahrung aus vielen Projekten zeigt: Der Erfolg einer Cloud-Transformation entscheidet sich nicht allein darin, Systeme technisch in die Cloud zu verlagern.
Viele Unternehmen schaffen zwar die initiale Migration, scheitern aber daran, den laufenden Betrieb effizient zu organisieren, die Potentiale der Cloud auszuschöpfen oder die Kosten unter Kontrolle zu halten. Häufig fehlen klare Ziele, ausreichende Expertise, ein Automatisierungsgrad sowie eine wirksame Governance. Dabei gehören genau diese Aspekte zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren einer gelungenen Cloud-Transformation.
So starten Sie strukturiert in Ihre Cloud-Transformation
Eine Cloud-Transformation bleibt ein komplexes Vorhaben – auch über die hier dargestellten Stolpersteine hinaus.
Wenn Sie zu Beginn Orientierung suchen oder Ihr Vorhaben strukturiert überprüfen möchten, kann ein externer Blick helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen – beispielsweise im Rahmen unseres Cloud Readiness Workshops:
Ihr Ansprechpartner
Heiko Müller
Cloud-Projekte sicher und effizient gestalten – ich unterstütze Sie bei der Auswahl, Einführung und Steuerung passgenauer Cloud-Lösungen. Lassen Sie uns sprechen – Ihre Cloud-Strategie beginnt mit dem richtigen Partner.

Heiko Müller Senior Manager bei HiSolutions, Experte für Cloud- und DevOps-Transformationen sowie IT-Service-Management. Gemeinsam mit dem ITM-Team unterstützt er beim Aufbau moderner IT-Infrastrukturen und bei der Optimierung von ITIL-Prozessen.