10.09.2026

Bundesweiter Warntag: Warum Business Continuity Management zu Hause beginnt

Ein Beitrag von Sophie-Louise Pries

Der Bundesweite Warntag erinnert jedes Jahr daran, wie wichtig die Vorbereitung auf Krisen ist. Für Unternehmen ist er jedoch mehr als ein Test von Sirenen und Warn-Apps. Er macht auf einige Frage aufmerksam, die im Business Continuity Management (BCM) oft zu wenig Beachtung findet:

Kann das festgelegte Notfall-Team im Ernstfall wirklich handeln?

Denn die beste Notfallplanung hilft nur, wenn die Menschen, die sie umsetzen sollen, tatsächlich handlungsfähig sind.

In nahezu jedem BCM-Konzept sind Rollen klar definiert vom Krisenstab über Notfallteams, Entstörungsdienste, IT-Administratoren, Sicherheitspersonal oder Schlüsselpersonen in Produktion und Logistik. Im Ernstfall sollen diese Personen erreichbar sein, Entscheidungen treffen oder den Betrieb stabilisieren.

Doch Krisen treffen nicht nur Organisationen. Sie treffen auch die Menschen dahinter, die Verantwortung übernehmen sollen.

Wenn zu Hause die Familie versorgt werden muss, Kinder nicht betreut sind, Haustiere allein bleiben oder grundlegende Vorräte fehlen, steht verständlicherweise zunächst die private Situation im Vordergrund. Genau deshalb empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit Jahren eine private Notfallvorsorge.

Private Eigenvorsorge ist daher nicht nur ein Thema des Bevölkerungsschutzes, sie ist auch ein wesentlicher Baustein eines funktionierenden Business Continuity Managements.

Wer weiß, dass Familie, Haushalt und Angehörige für einige Tage abgesichert sind, kann seine Rolle im Unternehmen in einer Krisensituation deutlich schneller und mit größerer Handlungsfähigkeit wahrnehmen. Private Resilienz stärkt damit unmittelbar die Resilienz des Unternehmens.

Gerade für Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) geht dieser Zusammenhang noch weiter. Funktionieren Unternehmen auch in einer Krise, bleibt die Versorgung der Bevölkerung möglichst stabil. Private Vorsorge stärkt also nicht nur die Einsatzfähigkeit einzelner Mitarbeitenden, sondern trägt über resiliente Unternehmen auch zur Resilienz der Gesellschaft bei. Es entsteht ein positives Wechselspiel: Wer privat vorsorgt, stärkt das Unternehmen und leistungsfähige Unternehmen sichern wiederum die Versorgung der Bevölkerung.

Der Bundesweite Warntag bietet deshalb Anlass, einen Schritt weiterzudenken.

Gerade Betreiber Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) und Unternehmen mit hohen Anforderungen an ihre Einsatzfähigkeit sollten sich folgende Fragen stellen:

  • Können wir unsere Schlüsselpersonen bei ihrer privaten Notfallvorsorge unterstützen?
  • Gibt es Konzepte für Kinderbetreuung oder andere Unterstützungsangebote in außergewöhnlichen Lagen?
  • Sind Trinkwasser, Verpflegung und Aufenthaltsmöglichkeiten vorhanden, falls Mitarbeitende länger im Unternehmen bleiben müssen?
  • Existieren alternative Anfahrtskonzepte, wenn Straßen unpassierbar sind oder der öffentliche Nahverkehr ausfällt?
  • Wissen unsere Mitarbeitenden, welche Rolle sie im Ernstfall übernehmen und welche Voraussetzungen dafür notwendig sind?

Business Continuity endet nicht am Werkstor oder an der Bürotür. Resilienz entsteht dort, wo private Vorsorge, organisatorische Vorbereitung und unternehmerische Verantwortung ineinandergreifen. Der Bundesweite Warntag ist daher mehr als ein Test der Warnsysteme, er ist eine gute Gelegenheit, das Bewusstsein für diese Zusammenhänge zu stärken.

Denn viele Krisen machen keinen Unterschied zwischen Privatleben und Beruf. Sie betreffen beides zugleich. Nur wenn Mitarbeitende auch privat handlungsfähig sind, bleiben Unternehmen einsatzfähig und können die Leistungen erbringen, auf die unsere Gesellschaft angewiesen ist.

Wie berücksichtigt Ihr Unternehmen die private Resilienz seiner Schlüsselpersonen? Ist dieser Aspekt bereits Teil Ihres BCM oder bietet der Bundesweite Warntag den richtigen Anlass, dieses Thema stärker in den Fokus zu rücken?